Die Beliebtheit der Schurwolle ist ganz wesentlich auf ihr vielen positiven Eigenschaften zurückzuführen, die sie Fasern anderer als tierischer Herkunft voraus hat.

Gute Eigenschaften 🙂

An erster Stelle steht dabei die Wärmeisolation. Durch den hohen Anteil in der Schurwolle eingeschlossener Luft entweicht nur wenig Wärme nach außen.

Bis zu einem Drittel des Eigengewichts kann Wolle an Feuchtigkeit speichern, ohne dass sie sich dabei feucht anfühlt. Ist die Umgebung trocken, leitet die Wolle diese Feuchtigkeit schneller wieder ab als andere Fasern. Das gilt auch für Schweiß. Und damit kommt eine andere gute Eigenschaft der Wolle ins Spiel: Gerüche nimmt Wolle nur wenig an und gibt sie an der frischen Luft schnell wieder an die Umgebung ab. Da sie auch Schmutz schlecht annimmt, reicht es in vielen Fällen, die Kleidung gründlich zu lüften statt sie nach jedem Tragen zu waschen.

Zu den guten Eigenschaften zählt außerdem, dass Wolle wenig knittert, schwer entflammbar und antistatisch ist.

Es gibt verschiedene Wolltypen, die unter den Namen Merino, Crossbred und Cheviot angeboten werden. Wobei die Wolle der zuletzt genannten Schafe eher in der Industrie oder als Bezugsstoff verwendet wird.

Für Kleidung wird insbesondere die weiche und stark gekräuselte Wolle der Merinoschafe geschätzt. Die Faserstärke reicht von etwa 14 bis 23 μ (μ = Mikrometer oder my, ist die Bezeichnung für die Faserstärke 1μ = 1/1000mm)

Crossbred ist der englische Begriff für Kreuzung und gleichzeitig die schlichte Bezeichnung für eine Kreuzung von Merino- und Grobwollschafen. Sie liefern Wolle für Textilien in der Stärke von 24 bis 40 μ. Allerdings ist diese Wolle nicht ganz so weich wie Merinowolle.

Nicht so gute Eigenschaften 🙁

Andere Eigenschaften sind dagegen weniger beliebt. Wollfasern gehen mit benachbarten Fasern gerne eine innige Verbindung ein – sie filzen. Starke Temperaturunterschiede (plötzlich heiß oder kalt), Reibung und Druck schaffen dafür ideale Voraussetzungen. Wer das Filzen nicht gerade zu seinen Hobbys zählt, sollte diese Einflüsse also vermeiden.

Gegen das unerwünschte Filzen, speziell beim Waschen in der Maschine, wurde die „superwash“ genannte Ausrüstung der Wolle entwickelt. Dabei werden die Schuppen der Wollfasern, die sich beim Filzen verhaken, teilweise entfernt.

Beim Hercosett-Verfahren wird dafür Chlor verwendet, während das EXP-Verfahren (Ex-Pollution: englisch für „ohne Verschmutzung“) ohne Chlor auskommt und umweltschonender sein soll.

Wolle ist die Leibspeise der Kleidermotte Tineola biselliella, die bei pflanzlichen Fasern lieber Diät hält. Der Duft nach Lavendel, Kampfer, Waldmeister oder Zedernholz soll den Appetit dieses äußerst unbeliebten Haustiers mindern.

Gegen diese unerwünschten Eigenschaften der Schurwolle hat sich die Textilindustrie einige Verfahren einfallen lassen.

Der Kleidermotte soll das Eulanisieren den Appetit verderben. Dieser Begriff leitet sich von dem von der Firma Bayer entwickelten chemischen Wirkstoff EULAN auf Basis von Chlor ab, der Textilien und Teppiche vor Motten und Käfern schützen soll. Zu diesem Zweck werden die Garne mit der Substanz behandelt.

Quelle: Bettina Zander www.eigene-hand.de